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Die Klickmaschine


Noch nie war die TEDxMünster so groß wie in diesem Jahr. Allerdings waren Bühne und Regie auch noch nie so weit entfernt. Das ist ein Problem. Wer einen TEDx-Talk hält, kann schlecht jedes Mal ein Zeichen geben, wenn die nächste Folie erscheinen soll. Was kann man da tun? Lukas aus unserem Team studiert Mathematik. Er hatte eine Idee. Nils hat mit ihm darüber gesprochen, wie beschwerlich der Weg von der Idee zur L
ösung oft ist – und warum es gar nicht so schlecht ist, wenn zwischendurch auch mal was schiefgeht.

Lukas, vielleicht kannst du noch mal erklären. Was ist denn überhaupt das Problem?

Das Problem ist die Strecke zwischen Bühne und Regie. Wir müssen 150 Meter überbrücken. Eine Kabelleitung kommt nicht in Frage. Also müssen wir das mit Funk lösen. Das Funksignal muss in eine Tastatureingabe umgewandelt werden, die dann in den in den Rechner eingegeben wird.

Damit dann per Klick auf der Leinwand die nächste Folie erscheint. 

Genau. Also so, als würde man auf der Tastatur weiterklicken.

Im Handel gibt es da nichts Passendes?

Doch doch, aber die Geräte sind teuer. Und da habe ich mir vor zwei Jahren gedacht: Warum soll man dafür so viel Geld ausgeben, wenn man das Ganze auch einfach selbst machen kann?

Was kostet so ein Ding denn?

Mindestens 200 Euro. Und ich weiß nicht, ob dann schon ein Empfänger dabei ist. Mit Empfänger wären es dann vermutlich schon 300 Euro.

Und wie weit bist du schon?

Ich muss noch etwas bauen, aber schon relativ weit. Ich habe allerdings auch schon eine kleine Odyssee hinter mir.

Was ist denn passiert? 

Eine Menge. Ich denke ja schon länger über eine Lösung nach. Schon seit über zwei Jahren. Erst hatte ich mir erst einen Mikro-Controller besorgt. Aber ich wusste nicht so richtig, wie der funktioniert. Deshalb habe ich mir etwas anderes, und das hat alles etwas gedauert. Dazu habe ich einen Raspberry Pi verwendet.

Was ist das?

Ein kleiner Computer, ungefähr so groß wie eine Zigarettenschachtel. Auf dem Rechner läuft eine Linux-Distribution. Der Computer erkennt Tastaturen. Ich verwende ihn zusammen mit einer herkömmlichen Präsentationsfernbedienung. Die modernen Geräte senden Signale an den Rechner, und sie tun alle so, als wären sie Tastaturen. Das ist für meine Zwecke ganz gut. Wenn man ein bisschen programmieren kann, kann man sie sehr leicht auslesen. Die Signale werden dann an den Empfänger weitergeleitet, und der tippt sie virtuell ein.

 Dann ließ sich das Problem ja doch recht leicht lösen. 

Leider nicht. Das war die Lösung im letzten Jahr, als die TEDxMünster noch im Schloss stattfand. Da konnte ich von der Bühne bis zur Technik ein LAN-Kabel legen. Das geht in diesem Jahr nicht.

Wie sieht denn die Alternative aus?

Vor zwei Monaten habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen, wie das mit den Mikro-Controllern funktioniert.

Und? 

Im Prinzip geht das ganz gut. Ich hatte auch schon einen Prototypen. Aber dann hab ich das Ding aus Versehen an elf Volt angeschlossen. Es verträgt aber nur drei. Das heißt: Ich habe es gegrillt. Dann habe ich mir einen neuen Controller gekauft. Zwei Wochen später habe ich festgestellt, ich habe auch meinen Programmierer gegrillt. Davon brauchte ich also auch einen neuen, und dann dachte ich, ich hätte eine Lösung.

Aber es war keine.

Genau. Man musste die Tastatureingaben irgendwie wieder auf dem Computer bekommen. Der Mikrocontroller konnte keine Tastatur emulieren. Ach, das ist viel zu kompliziert, um es zu erklären. Ich habe es über ein anderes Teil probiert. Dann habe ich alles zusammengelötet. Aber danach ging gar nichts mehr. Ich habe alles noch mal auseinandergenommen, E-Mails an Bekannte geschrieben, viel probiert. Irgendwann hatte ich eine Funkverbindung – allerdings nur über fünf Meter. Und dann hatte ich keine Lust mehr.

Das bedeutet, das Projekt ist gescheitert.

Nein, einen Plan B hab ich noch. Ich habe den Mikrocontroller ausgetauscht. Der neue kann 200 Meter überbrücken. Das heißt, ich habe jetzt einen neuen Funk-Chip, einen neuen Mikrocontroller mit ein bisschen mehr Hardware.

Was macht der?

Der kann zum Beispiel quer durch unser Haus durch verschiedene tragende Wände funken, ohne dass das Signal wesentlich an Stärke verliert. Das Ding zu programmieren, war auch eine Herausforderung. Aber am Ende hat es dann doch funktioniert. Es liegt jetzt jedenfalls alles halb fertig zusammengebaut bei mir im Keller. Jetzt muss ich mich nur noch aufraffen, den Rest zusammenzulöten.

Und das ist jetzt die finale Lösung.

Sagen wir mal so: Ich habe eine gute Vorahnung, dass das Ganze funktioniert. Die Frequenz hat sich zwar noch einmal geändert. Aber das lässt sich vermutlich auch lösen.

Warum ist das wichtig?

Es gibt eine Faustregel: Je kleiner die Frequenz, desto weiter kannst du funken. Das kennt man ja vom Radio. Und je weniger auf der Frequenz los ist, desto weiter kannst du funken.

Das bedeutet für dich…

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Ich könnte es über WLAN mit 2,4 Gigahertz probieren. Das hat den Vorteil, dass die WLAN-Verbindung sehr stabil ist. Der Nachteil ist: WLAN gibt es zuhauf. Dann kommen noch verschiedene weitere Frequenzen in Frage. Aber da kann es wieder andere Probleme geben. Kann zum Beispiel sein, dass die Funkmikrofone im Theater dazwischenfunken. Ich glaube zwar nicht, dass das ein Problem ist, aber man weiß ja nie.

Was wäre dann?

Na ja, dann käme es zu Störungen, aber ich habe auch noch einen Plan C. Ich könnte die LAN-Verbindung mit dem Kabel aus dem vergangenen Jahr durch eine WLAN-Verbindung ersetzen. Mit ein paar Tricks kann man so auch längere Strecken überbrücken.

Mit welchen?

Man muss zusehen, dass möglichst nur Luft dazwischen liegt. Und keine Menschen – die absorbieren nämlich auch Funk. Also habe ich mir einen WLAN-Stick besorgt. Den werde ich in den Raspberry Pi stecken und schauen, wie weit ich damit komme. Wenn das so 100 bis 150 Meter wären, fänd ich das super. Ich bin mal gespannt.

Ich fasse also noch mal zusammen: Es gibt drei Möglichkeiten. 

Ja, wobei die erste Variante praktisch raus ist. Das läuft nicht mehr so richtig, nachdem ich es gegrillt habe. Dann gibt es ja noch die zweite. Die andere Variante könnte ich mit der nötigen Hardware an einem Wochenende zusammenschrauben. Dazu brauche ich zwei Raspberry Pi und ein WLAN-Netzwerk. Und dann habe ich noch meinen Plan B. Die Fernbedienung habe ich ja inzwischen zusammengelötet und bei unserer letzten Probe getestet. Da konnte ich quer durch die Aula funken. Aber ich bereite natürlich beides vor. Dann kann ich nämlich am 2. November ausweichen, wenn eine Variante nicht so funktioniert, wie ich dachte.

Finanziell hätte es sich wahrscheinlich mittlerweile gelohnt, ein Gerät aus dem Handel zu kaufen.

Na ja, wenn man nur auf die Zahlen schaut, kann das schon sein. Aber ich hätte dabei nicht so viel gelernt, und das Wissen hilft mir dann vielleicht beim nächsten Mal, ein anderes Problem zu lösen.

Lukas Bröring

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