• Author:Ralf
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Das Geheimnis guter Vorträge

 

Wenn wir Menschen von der TEDxMünster erzählen, passiert es immer noch oft, dass wir hören: „TEDx? Nie gehört?“ Vor sechs Jahren ging es mir selbst ganz ähnlich, und als man mir dann die Veranstaltung mit dem Wort „Ideenkonferenz“ erklärte, machte mich das nicht gerade neugieriger. Heute denke ich: Dieses Buch hätte ich schon damals lesen sollen, aber ich bin leider erst Jahre später darauf gestoßen, und da hatte ich schon drei TEDx-Konferenzen gesehen.

Es hat sich trotzdem gelohnt, es zu kaufen, denn so richtig verstanden habe ich die Idee der TED-Konferenzen erst beim Lesen. Chris Anderson, der die Mutterkonferenz im Jahr 1998 vom Gründer Richard Saul Wurman übernommen hat, erzählt auf den ersten Seite, wie auch er anfangs skeptisch war, Vorträge bei Konferenzen eher als notwendiges Übel erlebte, und wie die TED-Konferenz das alles änderte.

Vor allem sagt Anderson, er sei selbst nie ein großer Redner gewesen, denkt heute aber: „Wenn Sie sich beim Abendessen mit Fremden unterhalten können, dann können Sie auch vor Publikum sprechen.

Das Publikum in deiner Tasche

Das Buch ist einerseits ein Leitfaden für alle, die einen TED-Vortrag halten möchten, aber es im Grunde ist es für jeden interessant, der etwas darüber erfahren möchte, wie man Menschen dazu bringt, aufmerksam zu zuhören.

Ganz wichtig dabei zum Beispiel: Bevor man anfängt, über sein Thema zu sprechen, sollte man das Publikum in die Bereitschaft versetzen, überhaupt zuhören zu wollen. Man muss es auf seine Seite ziehen. Aber wie geht das? Zum Beispiel mit Humor.

Für große Redner ist Humor so etwas wie eine Wunderwaffe. Ken Robinsons Vortrag über das Versagen der heutigen Schulen bei der Förderung von Kreativität (der bis Ende 2015 rund 35 Millionen Mal angeklickt wurde, fiel auf den letzten Tag der Konferenz. Er begann mit den Worten: ‚Es war toll, oder? Es hat mich völlig weggeblasen. Ich bin auch schon auf dem Sprung.‘ Das Publikum lachte. Und hörte nicht mehr auf. Vom ersten Moment an hatte er uns in der Tasche. Humor räumt die größten Widerstände gegen das Zuhören beiseite. Indem Sie von Anfang an kleine Geschenke verteilen, signalisieren sie ihrem Publikum: Kommt mit, Freunde. Es macht Spaß.

Andererseits braucht ein Vortrag nicht zwingend Humor, um gut zu sein. Einer von Andersons Ratschlägen lautet: „Wenn Sie kein komischer Mensch sind, dann versuchen Sie nicht, es auf dem Podium zu sein.“ Im Grunde findet Anderson es nämlich sogar falsch, sich bei der Entwicklung eines Vortrags streng an Regeln zu halten. Ihm geht es eher um die Möglichkeit, bestimmte Techniken nutzen zu können bestimmte Gewürze. Und das sind zum Beispiel: aus der Ich-Perspektive erzählen, persönlich werden, eigene Verletzlichkeit zeigen.

Die zentrale Erkenntnis

Viel wichtiger ist, auf gewisse Dinge zu verzichten. Vielen Rednern stehe ihr Ego im Weg, sagt Anderson. Sie wollten ihren TED-Vortrag entweder nur halten, er dem eigenen Image nützt, oder sie könnten oft nicht erkennen, was an ihrer Geschichte wirklich interessant ist. Aus ihrer Perspektive ist das auch keine relevanten Frage. Sie halten sich ja schon selbst für sehr interessant.

Letztlich lassen sich alle Ratschläge aber auf eine zentrale Erkenntnis reduzieren:

Bei einem Vortrag kommt es nicht auf Selbstbewusstsein, Bühnenpräsenz oder Wortgewandtheit an. Es zählt nur eins: dass Sie etwas zu sagen haben.

Im Idealfall entsteht dann ein Vortrag, der schon an einem Tag via Youtube ein Publikum erreicht, für das Redner noch vor 20 Jahren monatelang durchs Land ziehen und Hunderte von Vorträgen halten mussten. Als Richard Saul Wurman die TED-Konferenz im Jahr 1984 zum ersten Mal veranstaltete, musste er notgedrungen in kleineren Dimensionen denken. Es gab die technischen Möglichkeiten noch nicht.

Wurman wollte Denker und Designer aus den Bereichen Technology, Entertainment und Design zusammenführen. Sein Anliegen war, das Problem zu überwinden, dass viele Gedanken in den Nischen der Fachöffentlichkeit verstauben, ohne dass jemand von ihnen erfährt, während wirklich Bahnbrechendes oft erst dann entsteht, wenn man diese Ideen aus unterschiedlichen Ecken der Wissenschaft verknüpft. Dieser Gedanke bewegte letztlich auch Chris Anderson, die TED-Konferenz zu übernehmen.

(…) schließlich überzeugte mich ein Abschnitt aus David Deutschs Buch ‚Die Physik der Welterkenntnis‘, das ich damals las. (…) Deutsch legte überzeugend dar, dass es einen Unterschied zwischen Wissen und Verstehen gibt. (…) Um etwas zu verstehen, müssen wir (…) das Wissen wieder zusammenführen. (…) Wenn wir uns das Wissen als ein riesiges Spinnennetz vorstellen, dann können wir die kleinen Knoten an jeder beliebigen Stelle des Netzes nur dann verstehen, wenn wir einen Schritt zurücktreten und sehen, wie die Stränge weiter miteinander verbunden sind. Nur wenn wir das Ganze sehen, können wir wirklich verstehen.“

So sprechen, dass Menschen zuhören

Ich selbst habe inzwischen fünf TEDx-Konferenzen gesehen und zwei mitorganisiert. Dass ich immer wiedergekommen bin, hängt vor allem mit dem Geist der Konferenz zusammen, wissbegierige und offene Menschen an einem Ort zusammenzuführen und mit guten Ideen bekannt zu machen – aber sicher auch mit der Faszination, die das Buch in mir geweckt hat.

Ich würde es jedem empfehlen, der lernen möchte, so vor Publikum zu sprechen, dass Menschen gerne zuhören – auch jedem, der nach Inspiration sucht, sich gut unterhalten möchte und der dabei etwas lernen will. Und da wären wir auch schon wieder bei der TEDx. Denn im Grunde ist das ja der Gedanke, mit dem man zur Konferenz geht.

Wenn ihr Lust auf das Buch bekommen habt, hier könnt ihr es bestellen. (Und nur noch mal zur Sicherheit: Wir verdienen an den verkauften Büchern nichts.)

Tickets für die TEDxMünster bekommst du hier. 

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